Ein Podcast ist ein Hörbeitrag, der über das Internet geliefert wird. Der Begriff ist in Deutschland noch relativ unbekannt, wenngleich es von Tag zu Tag immer mehr Podcaster und Hörer gibt.
Eine vollständige Übersicht über die hier erschienen Podcasts erhalten Sie, wenn Sie diesem Link folgen.
Das Besondere beim Podcast ist die Möglichkeit, Serien zu produzieren. Die können vom Empfänger quasi im Abo automatisch empfangen werden. Wann der Empfänger die Folgen abspielt bleibt selbstverständlich ihm überlassen – die Beiträge befinden sich schließlich auf dem heimischen Rechner als MP3-Datei. Er kann sie am Computer oder im MP3-Player hören, auf CD brennen oder einfach löschen.
Das Abonnieren eines Podcasts erfolgt über eine kleine, genormte Textdatei, die vom Poduzenten erstellt und laufend aktualisiert wird. Dieser sogenannte Feed wird von speziellen Programm, den sogenannten Podcatchern oder dem normalen Intenetbrowser ausgelesen. Sobald sich eine neue Folge verfügbar ist, wird der Abbonent informiert.
Ein weit verbreiteter Podcatcher ist iTunes. Die Apple-Software ist damit eine ‘Alles in einem’-Lösung:
- Shop für Musik und Hörbücher,
- CD-Importier und Brenn-Programm,
- Organisationssystem für die Mp3-Sammlung,
- Abspielprogramm
- und Podcatcher.
Vor allem Laien und Anfängern empfehle ich die Apple-Software, die gratis aus dem Netz geladen werden kann.
Der neue Internet-Explorer von Microsoft und der Morzilla-Abkömmling Flock bieten ebenfalls die Möglichkeit, neue Folgen anzuzeigen und direkt abzuspielen.
Aus medientheoretischer Sicht ist Podcasten etwas sehr spannendes. Denn der Hörer kann ohne großen Aufwand selbst zum Sender werden. Anders als beim Rundfunk ist dafür nämlich keine auwendige Technik und keine freie Frequenz nötig.
Wenn Empfänger zum Sender werden
Bertold Brecht hat es kommen sehen und dabei weit über den damaligen Horizont geschaut.
Den ‘Rundfunk‘ verstand er in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Möglichkeit, aus dem proletarischen (heute würde man sagen ‘konsumierenden’) Zuhöhrer einen aktiven Gestalter zu machen. Er sprach dem neuen Medium in seiner Radiotherorie sogar eine gesellschaftsbildende Rolle zu.
Dass Gesellschaft mit Medien verändert werden kann, haben kurze Zeit später vor allem die politischen Extremisten verstanden:
Sowohl in Hitler-Deutschland, als auch in der Sovjet-Union war das Radio von außerordentlicher Bedeutung. Aber zum ‘Sender’ wurde der Zuschauer trotz der ‘neuen’ Rundfunk-Technik nicht. Es war ein klassisches, billiges und reichweitenstarkes Massenmedium. Der Rundfunk hat die ihm von Brecht zugedachte Rolle nie erfüllen können.
Technik machts möglich

Die echte Chance, zum Sender zu werden, bekommt der Hörer erst mit dem Einsatz von DSL. Erst die hohen Übertragungsgeschwindigkeiten machen es möglich, Sprache vom Sender zum Empfänger zu übertragen.
Das tut der Brecht’schen Theorie keinen Abbruch. Denn noch immer gilt:
“Ein Mann, der etwas zu sagen hat, und keine Zuhörer findet, ist schlimm dran. Noch schlimmer sind Zuhörer dran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat.”
B.Brecht
Umfassende Informationen finden sich übrigens auf dem zur Zeit entstehenden Wiki (Web-Lexikon).
Wichtige technische Stichworte sind MP3, mit dem lange Sendungen in guter Qualität zu kleinen Dateien gespeichert werden, RSS, das eine Option auf Stammhörer bietet, und OpenSource, als frei verfügbare Programme, die zum Ausprobieren verleiten.
MP3 muss nicht weiter erklärt werden. Das Format kann von den meisten Deutschen in der einen oder anderen Form gehört werden.
Der mobile MP3-Player ist gar nicht zwingend nötig. Wer ‘nur’ einen Computer mit funktionierenden Lautsprechern hat, dürfte ebenfalls keine Schwierigkeiten haben, MP3-Dateien abzuspielen, bzw. anzuhören.
Etwas schwieriger (wenn auch nicht wesentlich) ist die Verbreitung. Beim ‘Podcasting’ werden Multimedia-Beiträge (im engeren Sinne ‘Audio’-Dateien im MP3-Format) von Hörern über das Internet verteilt.
Der Weg zum Hörer

Dabei ist es nicht einmal mehr zwingend nötig, eine Website zu besuchen. Zwar kann der Hörer nach wie vor eine Internetseite im Browser aufrufen und dort an die Audio-Datei gelangen, es gibt aber auch Browserunabhängige Lösungen: Die nennen sich podcatcher und Die einfachste ist das direkte Abonieren über das Programm, in dem die Mp3-Dateien später auch abgespielt werden sollen.
Bei mir ist das iTunes. Das ist zwar von Apple, läuft dankenswerterweise aber auch auf Windows-Systemen.
Unabhängig ob über den Browser oder die Mediaplayer abgespielt, das Stück kommt relativ leicht und zur rechten Zeit zum Hörer.
Keine Zeit? Zeit genug?
Wann die rechte Zeit ist, kann der Hörer auf diese Art selbst entscheiden. Er kann den Beitrag herunterladen, auf seinem Computer, MP3-Player oder iPod speichern oder auf CD brennen.
Diese Freiheit genießen die regelmäßigen Hörer von Podcasts und sie ändern sogar ihre Hörgewohnheiten. Statt im Autoradio den Rundfunk zu hören, spielen sie Beiträger ihrer Wahl. Statt Musik kann beim Joggen auch ein MLP-Seminar gehört werden oder in der U-Bahn die neuesten Tipps zur Programmierung guter Websites.
Die Themen sind so bunt wie die Gelegenheiten, bei denen die Hörer ihre Beiträge konsumieren. Auch die Aufbereitung entspricht lange nicht den formatierten Beiträgen aus dem Radio. Sie sind wesentlich experimenteller, manchmal Kunst, manchmal Krempel: Interviews, Kommentare oder Kollagen. Gemacht wird, was gefällt.
Rundfunk zieht nach

Die Entwicklung geht auch am ‘Rundfunk’ nicht vorbei. Das Deutschlandradio hat mit dem ‘Blogspiel‘ versucht, die wilde Szene ins Radio zu holen.
Sport, Nachrichten, Kultur, Commedy, Fortbildung – Portale wie podcast.de oder Podster.de bieten reichlich Platz zum Stöbern und Ausprobieren.
Auffällig: Selbst die Rundfunkanstalten stellen heute Teile ihres Programmes zum ‘Nachhören’ als Podcast ins Netz. Wer also die Börsenkurse nicht um 6.15 Uhr hören möchte, kann das problemlos um 8 Uhr nachholen, wenn er den Podcast nutzt.
Selbst der gute alte Computerclub vom WDR ist via Podcast die Flucht vom Schuttplatz der Geschichte gelungen und verbreitet Interessantes für die Fans, die es immer noch gibt.
Selbstverständlich sind Podcasts via RSS zu abbonieren. Wer einen ‘Sender’ gefunden hat, der seinen Geschmack trifft, wird so regelmäßig über neue Beiträge informiert, ohne regelmäßig die Page des Autoren besuchen zu müssen.