Open Short?! Ja, morgen wieder!

Okay. Ich habe es nicht geschafft. Eigentlich wollte ich alle Rollen im Angebot des Lüchower Kurzfilmfestivals sehen.
Dazu war ein ausgeklügelter Zeitplan nötig. Ich habe stundenlang über Exeltabellen gebrütet, bis ich es endlich mit meinen restlichen Verpflichtungen und Interessen auf die Reihe bekommen habe.
Und dann.
P1070456Dann kam Brian
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Von der Rolle – Kurzfilmfestival Lüchow

Die Overtuere war stark. “Ausser der Rolle” ist ein Set von fünf Kurzfilmen wie sie unterschiedlicher kaum sein können.
Ausufernde Gewalt, zerstörerische Freundschaft, zarter Humor, aufrüttelnde Selbsterkenntnis und beklemmende Melancholie. So lassen sich die fünf Kurzfilme überschreiben.

In Blackout gibt sich der Musiker Tom erst der Hoffnung und dann alten Fehlern hin. Und wie es nur im Kino sein kann, scheitert der tragische Held kurz vor dem eigenen Durchbruch so vollkommen, dass mir den Atem raubt.

Mit 30 Minuten der längste Beitrag im Set überrascht Blackout mit exzessiver Gewalt in Form von Kneipenschlägereien. Die Rollen sind glaubwürdig die Schauspieler auch. Die Geschichte ist naturgebenermaßen verdichtet wirkt aber nur selten konstruiert. Ein toller, verstörender Film.

Kalte Haut wirft ein Schlaglicht auf eine ungleiche Mädchenfreundschaft, die just in dem Augenblick zerbricht, in dem der Betrachter die Fäden der Geschichte aufgenommen hat und in den Händen hält.

Sexuelle Ausbeutung und Selbstbestimmung, Freiheitsdrang und Unterwerfung – Gegensatzpaare prasseln auf die Zuschauer ein, verschiedene Erzählstränge, Rückblenden und Einblicke machen ein Folgen nicht leicht. Aber dieser Film will wahrscheinlich auch nicht leicht sein. Gelungen!

Vincent berührt durch einen tiefgründigen, in allen Facetten schillerden Humour und weckte zumindest bei mir Erinnerungen an die Blechtrommel – was allerdings der Erzählerrolle des Kindes geschuldet sein dürfte.

Wenn Erwachsene lügen hat das manchmal überraschende Folgen. Vor allem, wenn diese Lügen in bester Absicht an Kinder herangetragen werden. Ausgewiesene Schildkrötenfans allerdings sollten sich diesen Film besser nicht ansehen. Es könnte zu Spätfolgen führen.

Lebenslauf heisst der Animationsfilm dessen Titel so dicht am Plot liegt, dass überflüssig ist, darüber auch noch ein weiteres Wort zu verlieren. Nach drei Minuten Film folgen 3 Stunden Nachdenken. Das ist mal wirklich effektiv!

Selbsterkenntnis ist im täglichen Trott nicht immer leicht. Wie weit ist man selbst ein treibender Teil des Systems? Mit dieser Frage beschäftigt sich mein persönlches Highlight. Made in Baden-Württemberg, hervoragend in jeder Hinsicht. So konzentiert, so verdichtet – ohne Worte!

Gram erschüttert. Getroffen vom überraschenden Tod des eigenen Sohnes irrt der Astrophysiker im Taxi durch das nächtliche Berlin. Er sucht nach einem Menschen und findet …

So dicht am Denkbaren und doch hautnah in Szene gesetzt, dass es schwer fällt sein Mitleid mit dem geschundenen Schicksal zu verbergen. Wer melancholische Augenblicke im Kino liebt, sollte sich diesen Kurzfilm unbedingt geben. Ich persönlich hasse es, im Kino heulen zu müssen. Das kratzt am Image.

Ausser der Rolle bündelt ein Set von Beiträgen, die es “alle nicht in den Wettbewerb geschafft haben.”
Da frage ich mich als Besucher doch, was mich erst morgen erwarten mag. Denn eines ist sicher: Die 7 Euronen haben sich am Eröffnungstag des 2. Lüchower Open Short-Kurzfilmfestival in jedem Falle gelohnt. Ich bin Kurzfilmfan.

Lüchow Open Short

Welche Rolle spielen Kurzfimfestivals wenn es doch YouTube gibt? Das Lüchow Open Short (LOS) ist ein mutiger Versuch von Thomas Günther, Dirk Roggan und Stefan Dahlmann, in Lüchow etwas Nachhaltiges in Sachen Kultur auf die Beine zu stellen.

Von heute bis zum 10.September gibt es die zweite Auflage dieses jungen Kurzfilmfestivals. Wer sich in Lüchow auskennt, sollte einen Abstecher zur Alten Brennerei unternehmen. Heute nachmittag um 16 Uhr gehts los mit LOS.

Das Programm für Mittwoch…

16:00 Uhr Ausser der Reihe

1. Blackout (30 Minuten)
2. Kalte Haut (15 Minuten)
3. Vincent (14 Minuten)
4. Lebenslauf (3 Minuten)
5. Gram (17 Minuten)

18:00 Uhr Perspektive

1. Heim (5 Minuten)
2. Goldjunge (38 Minuten)
3. Phoneheads (5 Minuten)
4. Der Traumjob (15 Minuten)
5. Kernseif (10 Minuten)

20:00 Uhr Wendepunkte

1. Vorletzter Abschied (22 Minuten)
2. Dow Jane Index (10 Minuten)
3. Triumph des Nichtschwimmers (8 Minuten)
4. Mr. Schwartz, Mr. Hazen und Mr. Horlocker (8 Minuten)
5. Fang des Lebens (23 Minuten)
6. Special: Siegerfilm vom Partnerfestival Fano 2005

Infos zu den Filmen gibt es auf der Website des Festivals, und zwar hier.

Das Programm für die kommenden Tage ist hier zu finden. (Ganz am Ende)