Wahlkampf

Auch wenn in den USA in Sachen Wahlkampf so richtig viel im Web stattfindet: Im Wendland schneidet man bei Landtagswahlen nur gut ab, wenn man im Januar auf dem Marktplatz steht und Handzettel verteilt. Und genau das steht mir morgen bevor.

Um acht Uhr beginnt der Wochenmarkt, eine Information, die man übrigens auf der Dannenberger Homepage schmerzlich vermisst, wenn man sie sucht. Überhaupt spielt der Wochenmarkt dort gar keine Rolle. Warum eigentlich nicht? Nach meinem Empfinden ist zum Wochenmarkt die Innenstadt gut gefüllt. Sozusagen ein Highlight an Action.

Ich vermute, das ist auch der Grund aus dem sich Parteien vor Wahlen dort tummeln.

Gleichzeitig bin ich mir zur Stunde noch nicht sicher, ob wir um neun erst aufbauen oder schon anfangen. Ich bereite mich auf das Schlimmste vor und warte auf Anweisungen via SMS.

Tja – so ist das mit dem Engagement: Man tut es in der angesichts der Tatsache, müde zu sein und zu frieren.

Ach – aber eines sei mir noch gegönnt: Diesen Clip wollte ich unbedingt noch mal verlinken.

US-Methoden erreichen Landtagswahlkampf Niedersachsen

Während in den USA der Wahlkampf ganz selbstverständlich online ausgetragen wird, passiert in Deutschland diesbezüglich eigentlich nix.

Dachte ich jedenfalls.

Die Schlacht um den Stuhl von George W. wird bei den jungen Wählern via YouTube und Co gewonnen und wo ein Kundenwunsch, da ist bei YouTube auch ein extra Channel..

Aber selbst bei uns sind die Methoden der Amerikaner bereits in den Landeswahlkampf eingezogen. So versteckt sich unter der Stichworteingabe “Wahlkampf Niedersachsen 2008″ auch der älteste Clip einer bislang unvollendeten (oder eingestampfte) Kampagne mit dem freundlichen Titel “Wulff und die Wirklichkeit“. Gepostet am 1.August 2008, ist die Clip im propagierte Adresse bei denic nicht gemeldet – vier Monate später.

Einzelne Kommentatoren vermuten bei YouTube eine Juso-Aktion, werden aber ihrerseits als Jungen Union-Mitglieder entlarvt.

Der Nachwuchs übt. Das freut den mündigen Bürger der mehr davon will :-)

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass auch die CDU Spots ins Netz gestellt hatte. Sie eifert damit der Kanzlerin nach, deren Podcast inzwischen wohl bekannt ist.

Der Eifer führte dann auch zu etwas peinlichen Schnellschüssen. Eine bemühte Dia-Show mit Midi-Musik wurde am 18. Oktober bei YouTube gepostet.

Wenig später liegt über der gleichen Midi-Musik tatsächlich Filmmaterial. YouTube-User “CDUNiedersachsen” hat gute Arbeit geleistet: Redakteur Matthias Horndasch bekommt direkten Zugriff auf Christian Wulff. Das allein bringt aber nix.

Seit 31.Oktober haben (Stand heute) 20 Personen diesen Clip bei YouTube angesehen.

Ein massives Zeichen, dass dieses Format nicht fortgesetzt zu werden braucht!

Wie weit reicht eigentlich der kreative Handlungsspielraum einer parteieigenen Nachwuchs-Organisation?

Der müsste auch bei den Grünen abgefordert werden, denn deren Spot liegt mit immerhin 240 Abrufen nicht viel besser im Rennen.

Ganz aus dem Rennen ist die FDP, deren Landesverband den Aktivitäten der Bundesliberalen offenbar nicht traut. In Berlin hatte man schon vor langer Zeit Lehrgeld in Sachen Videoplattform gezahlt und die Erfahrungen sind vorhanden. Das schnurzt die Liberalen in Hannover nicht. Sie halten sich raus, und das ist vielleicht auch gut so.

Neuer Harry Potter als PDF im Web?

Eigentlich wollte ich eine Meldung bei Bild.online verlinken.
Als ich nach wenigen Sekunden einen Reload der Seite machte – war sie weg.

Inhalt der Meldung, die da eben bei Bild.online für wenige Sekunden auf meinem Bildschirm zu sehen war:

“Nachrichten: Unbekannter veröffentlicht im Internet Geheimnisse des neuen Harry Potter”

759 Seiten Harry Potter im Internet veröffentlicht

Die letzten Geheimnisse von „Harry Potter“ sind enthüllt – angeblich.

Ein Unbekannter fotografierte mit einer Digitalkamera 759 Seiten des 7. Romans „Harry Potter und die Todgeweihten“ ab und stellte sie leicht unscharf, aber lesbar ins Internet.

Die gute Nachricht: Harry stirbt nicht!

Bild.online – RSS

Auch andere Quellen bestätigen:
Ein ‘Fan’ machte sich die Mühe und hatte 10 Kapitel mit einer Digitalkamera abfotografiert.

Hier mal ne Übersicht, über die Verbindung von Harry Potter und PDF bei technorati.

Und nun wird’s kritisch:

Denn ich vermute, da heizt jemand den “Harry Potter”-Hype mit einer Ente an. Denn selbst wenn der Potter online zu sehen wäre, hätte das kaum Auswirkungen auf den Buchverkauf. Eher im Gegenteil. Das PDF wäre der beste Teaser, den man für Geld produzieren kann.

Aber: Ein Link auf dieses PDF wäre wahrscheinlich ein krimineller Akt – im Sinne der Weiterverbreitung verbotener Inhalte.

Zwei Gründe um dieses PDF nicht weiter zu suchen… ;-)

Yahoo, ‘. . . lass sie ziehen!’

Es gibt Wahrheiten, die haben das Zeug zum geflügelten Wort.
‘Reisende, soll man nicht aufhalten’, gehört eindeutig mit dazu.

Nico Zorn hat die Erfahrung gemacht, dass auch ein Kunden-Center sich dieses geflügelten Wortes bedient. Eine Beschwerde bezüglich der Filtersoftware von Yahoo führte nicht zum erwarteten Dialog sondern zur Aufforderung, sich doch abzumelden. Den entsprechenden Link packte der Mitarbeiter von Yahoo gleich mit dazu.

Zugegeben: Eine recht drastische Form der Kundenbetreuung, frei nach dem Motto ‘. . . lass sie ziehen!’

Unabhängig vom flickr-Fall stellt sich aber die Frage: Wie geht ein Unternehmen zur Zeit von Web 2.0 sinnvollerweise mit ‘Kritik-Kampagnen’ im Kundenstamm um?

Ich gehe einmal davon aus, dass der Kundenwunsch ‘unzensierter Zugang’ in der Zentrale von Yahoo angekommen ist und aus bekannten Gründen ‘nicht umgesetzt’ werden kann.

Der Wunsch nach ‘offener, ehrlicher Kommunikation’ seitens der Kunden aus der Bloggosphäre muss verhallen, weil er in der Praxis an der Realität vorbei geht (, wenn er von mehreren tausend Kunden gleichzeitig gefordert wird). Tatsache ist, dass ein ehrlicher Dialog nur mit Blick auf vorhandene Ressourcen stattfinden kann. Da spielt der Faktor Zeit (im Sinne von Reaktionszeit) eine wesentliche Rolle.

Die Entscheidung, sich der Kritiker möglichst schnell zu entledigen macht vielleicht Sinn:
Während der vergangenen 6 Tage haben sich über 3.561 flickr-Kunden in zwei deutschsprachigen, einer englischen und einer spanischen Gruppe zusammengefunden und diskutieren dort über das Zensur-Problem. Das ist, angesichts der 65.000 deutschen flickr-Nutzer, vergleichsweise wenig.

Dazu kommt: Längst nicht jeder deutsche flickr-Nutzer hat bislang von der aktuellen Diskussion Notiz genommen.
Je länger sich kündigungswillige, unzufriedenen Nutzer im ‘internen Bereich’ der flickr-Community aufhalten und auslassen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Unzufriedenheit um sich greift.

Der Faktor Zeit ist also auch aus diesem Grund wichtig.

Wie dem auch sei: Die Aktionäre spielen ihr eigenes Spiel und haben Yahoo-Chef Terry Semel zum Rücktritt gezwungen. Der Artikel im ORF stellt jedenfalls indirekt einen Zusammenhang zur aktuellen flickr-Diskussion her.

thinkflickrthink – Kinderschutz für alle

thinkflickrthink in den ersten 24Std.

Gerade poste ich über das endlich deutschsprachige flickr und dann diese englischsprachige Überschrift?

Diese seltsame Blüte ist einer laufenden Kampagne deutscher flickr-Kunden geschuldet. Bei flickr soll das ‘Kampagnen-Bild’ möglichst schnell in die ‘beliebtesten’ der viel besuchten, hauseigenen Homepage einfließen.

Für die – zur Navigation bei flickr unerlässlichen – Tags ist dieses Ziel bereits erreicht.

Hintergrund für all die Aufregung sind Bilder wie dieses: http://www.flickr.com/photos/loupiote/21615087/ . Es ist für die deutschen Nutzer von Flickr nicht zu sehen. Selbst wenn sie angemeldet sind. Der Grund: Das Bild wurde nicht als ‘unbedenklich‘ eingestuft. Damit ist es für Deutsche, Koreaner, Surfer aus Singapur oder Hongkong tabu und bleibt unsichtbar. Als einer der ersten online-Dienste berichtete Heise über diese Affäre.

Mit im Boot sind übrigens auch unsere Brüder und Schwestern aus Österreich. (Was diese natürlich doppelt ärgert: mit den Piefkes über einen Kamm geschoren zu werden, ist für diese eine Qual.)

Offen ist derzeit die Frage, wie diese Art von Zensur rein technisch von statten geht. Eines ist aber sicher: Nicht alle werden sich so vehement beschweren, wie die zahlenden Kunden von flickr.

So dürften sich vor allem um den Nachwuchs besorgte Eltern und Großeltern für eine Ausweitung dieser Art von ‘Zensur’ aussprechen. Erleben wir nun die letzten Tage der publizistischen Anarchie?

Abwarten.

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