Ganz große Emotion: Schabowskis Zettel

Na, heute schon ferngesehen?

Ich bin – ganz anders als viele meiner Bekannten – doch immer noch sehr dankbar, dass es das öffentlich rechtliche Fernsehen gibt. Denn anders als viele meiner Bekannten genieße ich auch die großartigen Dokumentationen, die auf ARD und ZDF (und natürlich den digitalen Derivaten) laufen.
Aber dass ich einen Fernsehtipp im Wespennest abgebe, ist doch eher selten.

Also: Unbedingt in der ARD-Mediathek ansehen, bevor die Sendung wieder vom Server genommen wird – Schabowskis Zettel,

24 Stunden, die die Welt veränderten: Am 9. November 1989 verlas Günter Schabowski, Mitglied und Sprecher des Politbüros des Zentralkomitees der SED, auf einer live im DDR-Fernsehen übertragenen Pressekonferenz die neue Reiseregelung der DDR. Sie war von hohen Offizieren des Innenministeriums und der Staatssicherheit erarbeitet worden. Entgegen den Vorgaben der politischen Führung hatten die Verfasser die Möglichkeit einer unbürokratischen Aus- und Wiedereinreise in das Papier geschrieben. Dennoch passierte die Reiseregelung unbeanstandet das Zentralkomitee. Egon Krenz persönlich drückte Günter Schabowski den Zettel für die Pressekonferenz in die Hand.

Den Machern dieser Doku ist es gelungen, ein Stück Deutschland sehr schön aufzubereiten. Sie machen diesen Zettel von Schabowski zum rote Faden, der mal oben und mal unten, hin und zurück zum Stoff gewebt wird, den Helmut Kohl wesentlich später als Mantel der Geschichte sah. Autoren und Redaktion der ARD (wenn ich das richtig nachvollziehe unter Federführung des NDR) beweisen mit dieser Arbeit, dass gutes Handwerk und jede Menge Fleiß auch im Journalismus zu exzellenten Ergebnissen führt. Großartig – danke schön! Mein Wunsch: Lasst so einen Beitrag dauerhaft im Netz. Er wäre es wert.

Fake-Account oder: Wenn ich tu als wären wir Du

Twitter ist doof. 140 Zeichen Binsenweisheiten oder Linktipps, viele davon nur kryptische Zeichenfolgen. Zeitverschwendung, der absolut schnellste Zünder für mediale Erdbeben. So geschehen bei der Wahlberichterstattung am vergangenen Wochenende.

zapp das medienmagazin bei TwitterIch für meinen Teil genieße im Augenblick diese herrlich, unterhaltsame Mischung aus Information, Themenseismograf oder als reine Unterhaltung. Was ist wichtig, was ist lustig, was ist erschütternd oder was trivial? Diese Entscheidung nimmt mir bei Twitter niemand ab. Selbstdenken erlaubt. Nimmt mir kein Roboter, kein Filter, kein Stoppschild ab. Auch keine Redaktion.

Überhaupt die “alten Medien” – sie haben keinen selbstverständlichen Zugang zu Twitter- genausowenig wie der Feuerwehrhauptmann der Freiwilligen Feuerwehr in Vasenthien. Auch nicht die Medienspezialisten in den Medien sind nicht immer überall versiert und dabei.

So geschehen gestern.
Ich weiß gar nicht, wer da wem zuerst folgte – irgendwann hatte ich das Medienmagazin @ZappMM in meiner Leser-Liste (darin ist jeder sichtbar, der sich meine Meldungen ansehen will, könnte, wollte). Und weil mich Medien ja nun mal interessieren, habe ich mich in deren Leser-Liste eingetragen.

Und dann kommt heraus, dass @ZappMM gar nix mit dem Medienmagazin des NDR zu tun hat.

Schade eigentlich, denn wer immer hinter dem Account stand, hat gute Arbeit geleistet. Innerhalb von einem Tag hat er 47 Mitteilungen verschickt, mehr als 70 Leser gewonnen, (das obwohl er selbst nur 165 Leuten auf die Zeilen schaut) und sich (nach eigener Auskunft) inzwischen beim NDR gemeldet und steht in Verhandlung, den Account an das (echte) Magazin abzugeben. Inzwischen wurde das Logo durch eine Art Transparent ersetzt und damit wird die ganze Angelegenheit so richtig herzhaft :-)

Gut oder Böse? Ein wunderbares Beispiel für die spannenden Veränderungen in der Gesellschaft. Was war das jetzt? Der Freundschaftsdienst eines treuen Zuschauers, vielleicht sogar ein Service und damit ein Geschäftsmodell in Sachen Kommunikationsdienstleistung, eine Art Produktpiraterie oder: triviales Geschnatter?

Ich weiß es noch nicht – was meinen wohl meine Leser? Ach ja: Twitter ausprobieren ist ganz leicht!
www.twitter.com in den Browser eingeben, Email-Adresse eingeben, Nutzernamen ausdenken, anmelden und ausprobieren.
Mein Twittername ist übrigens @DieWespe

Medien: Das Angebot bestimmt die Nachfrage

Das gilt nicht nur für vermeintlich unverzichtbare Dinge wie Bürsten, Waschmittel, Laptops, Playstation III oder Nintendo WII. Das gilt auch für Inhalte von Medien.

Heise bezieht sich auf eine Studie der BCC und stellt fest:

Bei rund 43 Prozent der Briten, die sich regelmäßig Internet-Videos ansehen, geht das zu Lasten des regulären Fernsehkonsums. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der BBC in Auftrag gegebene Umfrage. Von den 2.700 Befragten gaben 23 Prozent an, etwas weniger Fernsehen zu schauen, 20 Prozent verbringen sogar deutlich weniger Zeit vor dem Fernseher.

heise online – Ich glotz … ja, was denn?

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Zappen ist out

Die dritte Studie der Reihe “TV2010″ belegt, dass sich das Nutzungsverhalten der Zuschauer grundlegend ändert: Je mehr Sender verfügbar sind, umso mehr wird deren Rezeption gezielt geplant. Dabei helfen moderne “Tools” wie elektronische Programmführer, die nicht nur Überblick schaffen, sondern dem Anwender eine neue Erlebnisqualität bieten, die über das eigentliche Programm hinaus besteht. Der Nutzer wandelt sich vom passiven Zuschauer zum aktiven “Selector”, der bestimmt, welche Inhalte er wann, wo und wie konsumieren möchte.

Fraunhofer-Institut FIT – Pressemitteilung

Was dem Fernsehzuschauer recht ist, kann dem Websurfer nur billig sein.

Das Angebot ist unüberschaubar groß. Einige Seiten haben regelmäßig etwas zu meinen Interessen zu sagen, andere selten.

Was dem Fernsehzuschauer sein EPG sind den Surfern der nächsten Generation die Social-Bookmarkdienste wie DIGG oder del.icio.us, um nur einige zu nennen. Zusammen mit den News-Diensten RSS sparen diese “Programmführer” dem Surfer eine Menge Übersicht in kurzer Zeit.

Wo viel Licht, ist allerdings ist auch in Web2.0-Zeiten Schatten auszumachen.

Denn die Verweildauer am PC nimmt gewaltige Züge an. Es kommt bei mir schon einmal vor, dass ich 8 Stunden surfe . . . dass ich überhaupt so lange am PC sitze, ist seit den frühen 90ern nicht mehr vorgekommen.

Da hilft dann auch DSL 16.000 nicht weiter, eher im Gegenteil.