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Das Modell

Die Ratskeller-Chronik

Entworfen, Erbaut, Vergessen

Die Ruine des Ratskellers in Dannenberg: Wie ein hohler Zahn im Mund.

Am 6. April soll die Öffentlichkeit wieder einmal über den aktuellen Stand in Sachen Ratskeller informiert werden. Ich erwarte das Finale! Wer die Gerüchteküche und die Presse aufmerksam verfolgt hat, dürfte diese Erwartung teilen.
Für alle anderen, die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre im Schnelldurchlauf.

13. Januar – der Tag des Brandes. (YouTube)

Im Laufe der Generationen war es an gleicher Stelle schon öfter zu brenzligen Situationen gekommen. In der EJZ stieg man – auf der Suche nach Hintergrundmaterial – in die Archive und wurde fündig. War es Intiution oder ist es die Erfahrung der Lokalredaktion gewesen, die Schwierigkeiten mit den Vorschriften der öffentlichen Hand 20 Tage nach dem Brand zu erwähnen? Am 3. Feburar titelt die EJZ:

03.02.2007
»Rathskeller» war nicht zu retten

…Der Chronist Seeger berichtet in den Annales Dannenbergicae von drei Bränden im Abstand von nicht viel mehr als 100 Jahren, allen voran der Brand von 1608: Er »verzehrete die Süden-Seite des Markts, ergriff das Rathaus, brannte bis ans Drawehner Thor und auf der anderen Seite wieder herauf…» Es dauerte lange, bis alle Häuser wieder aufgebaut waren. Die neuen Bauvorschriften des Herzogs, anstelle von Lehm nun Ziegel und anstelle von Stroh künftig Dachpfannen zu verwenden, konnten von der Bevölkerung insgesamt nur zögernd umgesetzt werden. …

Bevor neu aufgebaut werden kann, muss bekanntlich erst einmal geräumt werden. Schon weil die Lange Straße kurz nach dem Brand komplett gesperrt war, drängten die anliegenden Geschäftsleute zur Eile. Die Aufräumarbeiten kamen aber schon nach kurzer Zeit ins Stocken und tagelang tat sich gar nix. Schuld war wohl die Gewerbeaufsicht, die einen Einsturz fürchtete. Noch wusste ja niemand was noch werden würde. Am 10.Februar war in der EJZ zu lesen:

10.02.2007
Stillstand am Ratskeller
… Für Dannenbergs Stadtdirektor Jürgen Meyer ist die Entscheidung der Gewerbeaufsicht unterdessen »völlig unverständlich.» Experten der Versicherung und ein Ingenieurbüro hätten die Arbeiten abgesegnet, betont Meyer. »Nun arbeiten wir als Verwaltung mit Hochdruck daran, die Situation zu klären.» …

Damit die Fassade nicht zusammfällt, wurde die Schwerkraft mit Holz überlistet. Das Holz sah Anfangs recht schick aus und die Anliegerseele war beruhigt. Vorerst jedenfalls.

02.03.2007
Korsett für den Ratskeller
Bildunterzeile: Ein Holzgerüst sichert die Mauern des am 13. Januar ausgebrannten Hotels Ratskeller in Dannenberg. Die starken Stützen ruhen auf Betonfundamenten, wie hier in der Langen Straße. Wird sie am Montag wieder für den Verkehr frei gegeben? Dies hoffen unter anderem die Geschäftsleute in der Innenstadt.

Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet wird gern vergessen, dass die Brandursache zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig geklärt. In Folge dessen kochte die Gerüchteküche. Brandbeschleuniger, Brandstiftung? Sechs Monate nach dem Feuer äußerte sich die Polizei gegenüber der Presse, die ihrerseits die Dannenberger über die Erkenntnislage informierte.

14.06.2007
Stillstand auf Verdacht
…»Es ist niemand verhaftet worden und es gibt auch keine neuen Erkenntnisse was die Brandussache oder einen möglichen Täter anbelangt», heißt es von der Pressestelle der Ermittlungsbehörde. Anderenorts gibt man sich allerdings auskunftsfreudiger. Es sei eine Anzeige bei der Polizei eingegangen, in der eine Person der Brandstiftung am Ratskeller bezichtigt werde, heißt es aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen in der Dannenberger Verwaltung. …

Nachdem zuerst die Brandermittler für “Verzögerungen” verantwortlich gemacht wurden, war es anschließend der Denkmalschutz. Der wollte das nicht unwidersprochen stehen lassen. Denn:

23.06.2007
»Keine Verzögerung durch Denkmalschutz»
Gegenüber der EJZ hatte der Eigentümer des Ratskellers erklärt, die Bauarbeiten würden unter anderem deswegen derzeit ruhen, weil er noch verschiedene Dinge mit der Denkmalschutzbehörde zu klären habe. So wolle die Behörde noch klären, »welche Balken im Inneren noch raus müssen». Davon wisse man bei der Verwaltung jedoch nichts, heißt es in dem Schreiben.

Zukünftige Nutzung? Davon wusste man im Kreishaus nichts. Konnte man auch nicht. Denn etwa zu dieser Zeit war man in der Dannenberger Verwaltung noch schwer am Vorbereiten. Sieben Monate nach dem Brand war man noch am Diskutieren:

13.07.2007
»Das ist furchtbar für die Stadt»
… Die Stadtverwaltung ist nicht untätig: »Wir kennen die Beschwerden, und sie werden in der Verwaltung und auch in den Arbeitskreisen des Marketings diskutiert», berichtet Ursula Fallapp, Leiterin des Marketings im Bereich Elbtalaue. Man bemühe sich sehr intensiv, zusammen mit dem Eigentümer des zerstörten Gebäudes, Hotelier Uwe Koch, ein Konzept für die Zukunft des Hauses zu entwickeln. »So schnell wie möglich» sollen die Arbeiten am Ratskeller wieder aufgenommen werden, das wünsche sich auch die Stadt und vor allem »eine Nutzung, die gut ist für Dannenberg.» …

Die hausinterne Diskussion und die Bemühungen mit dem Eigentümer zu sprechen, erforderten einen ausgedehnten zeitlichen Rahmen. Zwischenzeitlich drehte sich die Welt weiter und in Brüssel wurden ZIEL 1-Fördermittel in Aussicht gestellt. In Dannenberg wurde folglich ein Masterplan für die künftige Entwicklung entworfen. Bahnbrechend: Der Plan sieht nicht nur vor, den Ratskeller sondern gleich mehrere andere Gebäude dem Erdboden gleich zu machen – Anything goes … :

26.09.2007
Lasagne im Hausboot?
Noch gähnen leere Fensterhöhlen aus der Ratskeller-Ruine in Dannenberg. Doch das Gebäude könnte »wiederbelebt» werden -als Hotel Garni mit 50 Betten: Verankert ist diese Idee, und mehr ist es noch nicht, im »Stadtentwicklungs- und Wachstumskonzept». …. Wird die Idee für den Ratskeller umgesetzt, »dann hätten wir erstmals ein Haus, in dem wir die Passagiere eines ganzen Reisebusses unterbringen könnten», sagte Meyer.

Schöne Pläne. Doch ach, es kam der Winter. Mehr als ein Jahr nach dem Brand fühlte sich der abgebrannte Ratskeller im Stadtkern an wie ein hohler Backenzahn im Mundraum. Es riecht schlecht und der schale Geschmack ist nur mit viel Wodka zu ertragen.

01.02.2008
Allmählich wird’s »schmerzhaft»
… »Wir können nicht so einfach was machen», erläuterte Stadtdirektor Jürgen Meyer. »Der Ratskeller ist Privatbesitz, wir haben da keine Möglichkeiten.» Und genau das ist derzeit das Problem. Denn, so war aus dem Rat zu erfahren, der bisherige Besitzer des Gebäudes will offenbar gar nichts unternehmen, denkt weder an einen Wiederaufbau noch an eine andere Nutzung. »Es gibt aber andere Interessenten», stellte Stadtdirektor Meyer heraus. Doch diese wollen und können – nach eigenen Aussagen – nicht investieren, solange das Gebäude unter Denkmalschutz steht. …

Es folgten weitere Monate der Ruhe. Es war so ruhig, dass einige unruhig auf ihren Stühlen hin und herrutschten nachfraten, was denn jetzt wohl werde. Vor allem wann!
Der Schnee war geschmolzen und trotzdem tat sich nichts. Aber in der Stadtverwaltung, im Bauausschuss und auch sonst wollte man sich nicht äußern. Das Zauberwort heißt 13 Monate nach dem Brand: “nichtöffentlicher Teil”.

14.04.2008
Den Mantel des Schweigens etwas gelüftet
… Und daher sei der ZOB auch ansehnlich zu gestalten, und zwar – und jetzt wird es interessant – auch im Hinblick auf die vorgesehene künftige Nutzung des abgebrannten Ratskellers. Erstaunlich, denn von einer künftigen Nutzung des Ratskellers ist bislang noch nichts bekannt. Und bei der Verwaltung offensichtlich auch nicht, denn deren Vertreter Jens Hesebeck erklärte gleich, dass man im Rathaus von solcherlei Dingen nichts wisse. Allerdings etwas muss es wohl doch zu berichten geben über den Ratskeller, denn die Angelegenheit wurde sogleich in den nichtöffentlichen Teil der Bauausschussitzung verschoben. …

Wer im Original-Artikel nach mehr Informationen sucht wird feststellen, dass der Mantel des Schweigens zu schnell wieder vor’s Gemächt gezogen wurde. Zu sehen beziehungsweise zu lesen war jedenfalls nix; weder hüben noch drüben. Aber mit etwas Phantasie lässt sich ahnen: Da will ein Investor unerkannt bleiben.

A propo drüben und als kleiner spekulativer Exkurs: Während in Dannenberg nach einem Investor gesucht wurde, machte sich drüben in Dömitz ein besonders erfolgreicher gerade unter Absingen häßlicher Lieder von dannen.

Ein Jahr und zehn Monate nach dem Ausbruch des Feuers stand endlich unter dem Ruinenfoto in der EJZ zu lesen:

01.10.2008
Planung für Bebauung fertig

Eine neue Bebauung am Ort des abgebrannten Ratskellers in Dannenberg hängt weitgehend von der Entscheidung der Denkmalpflege ab. Diese Entscheidung könnte in dieser Woche fallen. Dann wird ein Modell einer neuen Bebauung vorgestellt. Wenn diese Vorstellung auf die Zustimmung der Denkmalpflege beim Landkreis stößt, könnte nach Angaben von Dannenbergs Stadtdirektor Jürgen Meyer noch vor Jahresende ein Bauantrag gestellt werden.

JETZT geht’s los, denkt sich der ungeduldige Dannenberg noch. Einige Anlieger sollen schon von anrückenden Radladern und Presslufthämmern träumen, wollen sogar selbst Hand anlegen. Aber:

22.10.2008
Weiter Stillstand an der Ruine
… Was genau die Pläne des möglichen Investors vorsehen, dazu gibt es keine offiziellen Auskünfte. Weder von der Stadt Dannenberg noch vom Landkreis. Gut informierte Kreise sprechen jedoch von einem Hotel, einem Saal und einer Stellfläche für Reisebusse. Und es heißt, dass der Erhalt der Fassade nicht vorgesehen ist. An der Fassade hänge jedoch auch niemand wirklich. Wichtig sei, dass die untragbare Situation am Marktplatz endlich beseitigt werde, so der Tenor unter den Beteiligten in Stadt und Landkreis. Niemand wolle einem Investor »unnötig Steine in den Weg legen». …

Braucht man auch gar nicht. Die Steine liegen seit mittlerweile zwei Jahren in Form von Fundamentblöcken mitten auf dem Gehweg rund um den Ratskeller. Übrigens so geschickt platziert, dass niemand dran vorbei kommt – außer dem Investor, wie zu hoffen ist.

Die Zeit der Heimlichtuerei ist hoffentlich bald vorbei. Seitens der Anlieger wird jetzt Druck gemacht. Es äußert sich diesmal nicht der Stadtdirektor, nicht das Marketing sondern die erste Samtgemeinderätin Steckelberg:

12.03.2009
Liste gegen das »Dreckloch»

… Dieser Stand ist, dass schon seit einiger Zeit eine Abrissgenehmigung für den Ratskeller-Rest beim Landkreis als zuständiger Behörde beantragt sei, denn es gebe bereits einen Investor, der auch schon Pläne für das Areal inmitten der Stadt habe – wenn erst einmal die Ratskeller-Ruine abgerissen ist. Der Abriss muss jedoch erst in »trockenen Tüchern» sein, war aus der Dannenberger Verwaltung zu hören: Ohne diese Abrissgenehmigung gebe es keinen Kauf und entsprechend auch keinen Neubau.

Jetzt liegt der Ball also im Feld der Kreisverwaltung. Mit etwas Glück ist dort ein Investor und ein Nutzungskonzept bekannt. Mit etwas Pech werden wir am 6. April hören, dass man jetzt nicht mehr zuständig sei.

Ach ja: Wikipedia hat übrigens einen lesenswerten Artikel über Dannenberg veröffentlicht. Vielleicht sollte mal jemand Korrekturbedarf anmelden …?
Wikipedia

EJZ online: Und sie bewegt sich doch?

Wer rundum über Lüchow-Dannenberg informiert sein will, wird nach wie vor auf die Zeitung zurückgreifen.

Jens Feuerriegel, EJZ, 25.02.2009

Über die EJZ habe ich schon den einen oder anderen Beitrag geschrieben. Der Online-Auftritt ist dabei immer etwas kritisch betrachtet worden. Zu dürftig, altbacken und eingeschränkt habe ich EJZ.de bisher empfunden. Inzwischen bin ich überzeugt: Das war gewollt. Mein Lieblingsredakteur “gel” hat seine ablehnende Haltung gegenüber den neuen Medien nie verborgen.
Dass zwischenzeitlich doch ein Relaunch der Website meiner Lokalzeitung stattgefunden hat, habe ich aus der Zeitung erfahren. Es ließ sich wohl nicht verhindern, nicht mal von gel ;-)

Selbst wenn die Dinge im Wendland manchmal etwas länger dauern, auch hier im Nordosten Niedersachsens tut sich in Sachen Online so einiges. Gerade der kleine aber emsige Anzeigenkonkurrent der EJZ, der Kulturkalender ZERO, hat sich mit seiner Art der Online-Präsents zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz um die Meinungsführerschaft entwickelt. 

Hübsch aber dünn

Gut sieht sie aus, die neue EJZ.de. Was beim Relaunch der EJZ im Web herausgekommen ist, enttäuscht trotzdem.

  • Partizipation beschränkt sich auf Umfragen, Kommentare zu einzelnen Artikeln sind nicht möglich. Dass Bedarf besteht, zeigt ausgerechnet das neue Umfrage-Tool. Nur dort sind Kommentare möglich. Anders als im Wespennest werden aber die abgefragten Email-Adressen veröffentlicht und öffnen des Spammern das Tor ins Wendland. 
  • Das Archiv ist gänzlich weggefallen gut versteckt. Wenn das Netz für Zeitungshäuser überhaupt einen direkten Mehrwert bietet, dann das Archiv. Ein echter Zusatznutzen, den man zum Beispiel in einem geschlossenen Bereich den Abonnenten der Printausgabe anbieten könnte. 
  • Angebotene Video haben mit dem Landkreis nix zu tun. Ich wette, dass die EJZ dafür auch noch Geld bezahlt. Mittel, die sich der Verlag locker sparen könnte, denn aktuelle Informationen bezieht der Onliner eh über andere Kanäle (Stichwort ÖR-Rundfunk). Wenigstens die Kinotrailer könnten mit dem Angebot in Lüchow abgesprochen werden. Aber Fehlanzeige.
  • Links nach innen wie außen gibt es nicht. Ein typischer Denkfehler der gerne von klassischen Medien gemacht wird: Anstatt Links auf Archiv-Artikel, Expertenseiten oder Blogs zuzulassen, versucht man gerne, den Leser auf Teufel komm raus auf der eigenen Seite zu halten. Service ist das nicht. 

Schade eigentlich, denn die Gnade der späten Entwicklung macht es den Lüchowern im Grunde genommen leicht, sich gute und funktionierende Online-Adaptionen von Lokalzeitungen im Web anzusehen, aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen und davon zu profitieren. 

Dass es auch anders geht, macht ausgerechnet die benachbarte Altmark-Zeitung vor. Die Zeitung, deren Gründung ohne aktive Hilfe der EJZ nach der Grenzöffnung gar nicht möglich gewesen wäre (abenteuerliche Geschichten kann Hajo erzählen), hat in meinen Augen einen guten Ansatz gestartet. 

Zusammen mit dem wirtschaftlich verbundenen Redaktionen aus Uelzen und Isernhagen hat man dort wesentlich besser auf Partizipation gesetzt.

“Kennen Sie einen Link zum Thema? Mailen Sie ihn uns!” – Ein so simpler Aufruf macht es dem Leser leicht, sich mit dem Angebot und dem Thema zu befassen. Spezialisten in der Leserschaft werden eingebunden, ohne dass die Redaktion sich übermäßig viel Blöße gibt.

Videos von Außenterminen werden – grob zusammengeschnitten – als Zusatzmaterial zur Verfügung gestellt. Auch hier ist der Aufwand überschaubar, der “Schau mal”-Effekt aber enorm. Learning by doing ist nicht schlimm und bekommt im Web sein eigenes Etikett: Beta

Ausprobieren ist das Stichwort.

Dazu bedarf es eines gewissen Spieltriebes, der aber so gar nicht zu einer seriösen Redaktion passt. Vielleicht kommt der Appetit mit dem Essen. Dann können sich Print und Online auch bei der EJZ in Zukunft wirklich befruchten – egal, was die von gel zitierten aber namenlos gebliebenen Medienwissenschaftler darüber denken.

Gewusst wie, für Gatekeeper

Ich erinnere mich noch gut an einen Kommentar von Jens in der EJZ, in der er die Rolle des Gatekeepers hervorhob. Genauso gut erinnere ich mich, dass ich mich richtig über seine Sicht der Dinge geärgert habe.

Das Internet ist für den Qualitätsjournalismus eine Bedrohung, ein Werkzeug, eine Chance und oft – zu oft – ein Buch mit 7 Siegeln. Die neuen Techniken wie RSS, SocialMedia, etc. finden selbst in großen Medienhäusern kaum Anwendung.

Das liegt zum Einen an den Journalisten und zum Anderen an den Verlagen, die dem WWW viel zu lange, viel zu wenig Aufmerksamkeit zukommen ließen. Ausnahmen bestätigen die Regel und wer sich eine gute Verzahnung der Medien vor Augen führen möchte, muss lange suchen.

Das muss, soll und wird sich ändern. Und die Journalisten? Medienlese.com hat die zehn wichtigsten Tools zusammengefasst und vorgestellt. 

Zehn Dinge, die Journalisten 2009 wissen sollten » medienlese.com.

Ein guter Einstieg für die weitere Entwicklung. Aber die fängt ja für jeden mit dem ersten Schritt an, oder?

AW: So gesehen Zugemüllt

Ich mag meine EJZ. Sie ist kritisch, aktuell und in der Regel gut informiert. Sie ist das, was Jens Feuerriegel in seinem Kommentar am 20. September zu Recht einen “Gatekeeper” nennt. 

Als Schleusenwärter sehen Redaktion und Verlag der EJZ zahlreiche Themen und Aspekte von Themen an sich vorbeiziehen und entscheiden, was der wendländischen Informationsgesellschaft als Wasser auf die Mühlen gerät.

Diese Schleusenwärter haben ein Großthema allerdings ausgespart: das Internet. 

Dieser Nachrichtenkanal hat inzwischen für eine solche Flut von Informationen gesorgt, dass der Gatekeeper Feuerriegel sich zu einem Kommentar genötigt sieht. Damit offenbart er, wie hoch das Wasser steht.

Feuerriegel befindet sich in guter Gesellschaft. Wie den großen Tageszeitungen fehlt auch der EJZ ein rechter Zugang ins Netz. Anders als den anderen großen Verlagen ist es der EJZ bislang erspart geblieben, sich den Irrungen und Wirrungen der Moden, die das Internet nun einmal bestimmen, hinzugeben.

Es gibt keine Diskussionskultur außerhalb der lesenswerten Leserbriefseite. Es gibt keine E-Paper-Version, kein nenneswertes Archiv, keine Video-Varianten und keine Podcasts der aktuellen Berichterstattung.

Das kann durchaus wohl überlegt sein und vielleicht ist es auch gar nicht falsch, dass die EJZ mit ihrer eigenen Berichterstattung kaum im Netz vertreten ist. Ob das gut oder schlecht ist, an dieser Diskussion beteiligen sich die klügsten Köpfe im Mediengeschäft und die ganz großen schwimmen mit den ganz kleinen Fischen im selben trüben Wasser.

Natürlich gibt es Auswüchse, die Feuerriegel zu Recht beklagt. Natürlich gibt es eine tiefe Unsicherheit in der Gesellschaft, in welche Richtung sich der Zug der Informationsgesellschaft bewegt. Aber eines ist sicher: Ein Appell, die EJZ doch lieber auf Papier als am Bildschirm lesen zu wollen, ist nicht die Rolle des Gatekeepers. Es ist die Rolle des Vormundes.

Denn auch diese Rolle nehmen die Medien zweifellos ein. Sie entscheiden über Relevanz und Nachrichtenwert. Sie unterscheiden Altbekanntes von geprüfter Neuigkeit. Dabei entscheiden sie wie selbstverständlich über den Wissensstand der Leserschaft (oder Rezipienten).

Vormund sein ist ein Gewohnheitsrecht des alten Systems. Dieses System verändert sich und mit ihm auch die Möglichkeiten. Das Recht auf Vormundschaft bröckelt. Dieses Recht aufzugeben fällt schwer – schlimm wäre es nicht.

Events und Seifenblasen

Trachtenumzug in Lüchow

“Veranstaltungen und Geld”, so lautete die Überschrift des Kommentars von Axel Schmidt in der EJZ am vergangenen Sonnabend. 

Anlässlich des 850jährigen Jubiläums der Kreisstadt reflektiert der Chef der EJZ-Redaktion über die zahlreichen Veranstaltungen im Landkreis und das dafür benötigte Geld. Rentner und Hartz4-Empfänger, so der Kommentator, haben nicht das Geld, um an den angebotenen Vergnügungen teilzunehmen. Ergo würden die Teilnehmerzahlen sinken und außerdem seien die Gemeindekassen leer und darum möge man doch einfach auf die öffentlichen Zuschüsse für solche Veranstaltungen verzichten.

Merke: Das Geld fließt raus aus dem Landkreis. …Ich wünsche mir, dass überhaupt keine Steuergelder mehr für solche Seifenblasen-Events – mögen sie auch noch so hochwertig sein – verpulvert werden.
Statt dessen sollte das Geld dorthin überwiesen werden, wo vernünftige Jugendarbeit betrieben wird. … Das Geld bliebe in der Region.

Wenn ich mir die öffentliche Diskussionen über die Zukunftschancen im Landkreis und dann die Kennzeichen der Fahrzeuge ansehe, die im Zuge des Trachtenfestes auf Parkplatzsuche durch die Lüchower Wohngebiete zirkelten, kann ich mich über diesen Kommentar von Axel Schmidt nur ärgern.

Es sind schließlich solche Veranstaltungen die den Landkreis für das Umland und deren Bewohner interessant machen: Mögen sie nun “Kulturelle Landpartie”, “Schubertiaden”, “Sommerliche Musiktage”, “City Offensive” oder auch “d-Move” heißen. 

Merke: Nicht jeder sieht sich alles an und Auswahl ist besser als Einheitsbrei.

Papier versus Datenleitung

Ein Gespenst geht um in Europa. Die Mär vom Zeitungssterben und von Verlagen, die den Sprung in die neue Onlinewelt nicht schaffen (können, oder wollen).

Hintergrund: Die Zeitungen leiden unter schwindenden Auflagen, die junge Leserschaft bleibt aus und der Wettbewerbsdruck im Werbemarkt ist enorm. Gleichzeitig kommen die Laien. Sie bloggen aus den Vereinen und dem Stadtgeschehen und sind damit schneller und oftmals authentischer als die vermeintlichen Medienprofis.

Online wird schon lange fleißig darüber diskutiert, welche Strategien die Zeitungsverlage einschlagen könnten. Denn eines ist sicher: Die Onliner sind nach wie vor an gutem Journalismus interessiert.
Nur: Den bekommen sie viel zu selten geboten.

uninformation.org

Zeitungen, wie wir sie kennen, werden vergehen. Schaut man sich eine beliebige Standard-Klein-Groß-Mittelstadtzeitung an, so findet man dort seitenweise die Agenturmeldungen, die man schon tags zuvor im Web gelesen hat. Warum sollte man das kaufen und lesen? Die große Chance, nämlich statt Agenturmeldungen originäre Berichte und Meinungen eigener Korrespondenten und Redakteure zu drucken, die über die reine trockene Agenturnachricht hinausgehen, nehmen die wenigsten wahr. Zu teuer.

Zeitung definiert sich also immer noch nach der Qualität der Geschichten, die sie für den Leser findet. Daran ändert die ‘schöne, neue Online-Welt’ nichts. Was bedeutet das für das Wendland und die EJZ?

Gerade für die kleinen Zeitungshäuser ist der Schritt in die Online-Welt doppelt schwer: Die geschrumpften Redaktionen arbeiten im eingespielten Ablauf. Viele Kollegen sehen im PC ein notwendiges Übel. Keine Zeit für Zusatzaufgaben mit der Online-Ausgabe. Also werden Doubletten online gesetzt, was den eigenen Auftritt umso weniger attraktiv macht.

Und noch etwas macht es den kleinen Verlagen schwer: Sie kennen ihre Anzeigenkunden und die lassen sich nicht auf Experimente ein. Lokalzeitungen leben zu großen Teil vom lokalen Werbemarkt und der ist bei Google in der Regel nicht einmal vertreten – kein Pfennig zu verdienen.

Einen kleinen Schritt in die richtige Richtung ging – wie ich just gesehen habe – die Altmarkzeitung. Die gehört bekanntlich organisatorisch zur Allgemeinen Zeitung in Uelzen und steht damit unter der Verlagsleitung von Dirk Ippen.

Verleger halten sich ja eigentlich aus dem Tagesgeschäft heraus. Nicht so der rührige Münchner Ippen. Der ist unter die (unregelmäßigen) Blogger gegangen – wie gesagt: ein kleiner Schritt.

Richtiger wäre es, gleich noch den Audio- und Videomarkt zu erschließen. Wie das gehen kann, zeigt das Handelsblatt mit einer jungen wilden Garde von Profis, die bereit sind, für ihre Zeitung zu kämpfen. Auch hausintern.

Crossmeisterschaften abgesagt

Wie der Kreis-Leichathletik-Verband in seinem Blog mitteilt, wurde die Kreis-Crossmeisterschaft wegen des Schnees im Wendland kurzfristig abgesagt.

auf Grund der irregulären Laufverhältnisse auf den Strecken in Liepe, insbesondere für die Kinder und auf Grund der ungünstigen Witterungsverhältnisse hat der KLV in Abstimmung mit dem ausrichtenden Verein TuS Liepe heute Nachmittag nach einer Ortsbesichtigung entschieden, den Kreiscross abzusagen. Da die Wettervorhersagen auch für den morgigen Tag weiteren Schneefall ankündigen, werden sich die Bedingungen gegenüber heute voraussichtlich noch verschlechtern.

Blog des Verbandes

Da hoffen wir doch mal, dass die EJZ das bis morgen noch in der Zeitung bringt, sonst frieren die Sportler bei Liepe.

Rauchmelder – da oder nicht da?

Die Ursache für das vereherende Feuer, welches am Sonnabend den 100 Jahre alten Ratskeller von Dannenberg in Schutt und Asche legte, scheint noch nicht geklärt.

Wie die EJZ mit Berufung auf den Polizeisprecher Thomas Glietze meldet, könne ein technischer Defekt ausgeschlossen werden. Ist schon toll wie die Experten so etwas rekonstruieren können: Vom Ratskeller steht eigentlich nur noch die äußere Hülle – das Treppenhaus ist weg. Einsturzgefahr. Das Gelände weiträumig abgesperrt.

Und weil ich der EJZ doch wenigstens ein kleines bisschen voraus sein möchte: Hier nochmal alle Bilder von Henning, die er der Öffentlichkeit via Internet kostenlos zur Verfügung stellt. Danke!

Wie dem auch sei:
Weil die Ermittler wahrscheinlich auch nicht an spontane Selbstentzündung glauben, bleiben nicht viele Optionen: Die EJZ berichtet, dass in Richtung Brandstiftung ermittelt werde. Was das jetzt mit Rauchmeldern zu tun hat? Lesen Sie doch einfach den Rest des Beitrages.

‘Brandherd in der Mülltonne?’ titelt die EJZ am 16.Januar.
Polizei und Feuerwehr sind bekanntermaßen recht vorsichtig wenn es um öffentliche Vermutungen geht. Die Leute reden trotzdem. Ob beim Bäcker oder in der Nachbarschaft: Es kursieren viele Gerüchte, was, warum und wo für die Ursache des Brandes war.
Angeblich haben sich Feuerwehrleute über das Fehlen von Brandmeldern geäußert. Der Brandschutzprüfer des Landkreises, Andreas Arndt, wird als glaubwürdige Quelle in der Zeitung zitiert. Er bestätigt das Fehlen einer ‘Brandmeldeanlage’ und verweist auf das Land, dass über eine Verordnung nachdenke (siehe etwas weiter unten). Stellt sich nur die Frage, wann der Kreis das letzte Mal das Hotel ‘Ratskeller’ überprüft hat.

Ich habe nämlich am Sonntag von einem Freund des Toten (dessen Identität laut EJZ noch nicht abschließend geklärt ist) gehört, dass direkt vor dem Eingang der Mietwohnung und im Treppenhaus je ein Rauchmelder gehangen habe. Nun – nicht zu überprüfen – Gerüchte eben.

Rauchmelder findet der aufmerksame Schnäppchenjäger inzwischen regelmäßig in den einschlägigen Supermärkten. Das Anbringen ist eine Sache von wenigen Minuten. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Modelle aus dem Schnäppchenmarkt etwas taugen – die Stiftung Warentest hatte vor fast genau einem Jahr eine Warnung vor gefälschten Markengeräten verbreitet:

Die defekten Geräte sind äußerlich nicht von Modellen zu unterscheiden, die in unserem Test Rauchmelder ein „gutes“ Qualitätsurteil bekamen. Da der Verdacht auf Markenfälschung besteht, ermittelt auch die Staatsanwaltschaft. Für Käufer ist es unmöglich, Original und Fälschung zu unterscheiden.

STIFTUNG WARENTEST – Rauchmelder – Meldungen – Haus + Garten – Themen – test – FINANZtest

Ich bin jedenfalls erst einmal durch unser Haus getigert und habe sicherheitshalber die Akkus unserer Rauchmelder erneuert. Mehr kann ich wohl erst einmal nicht machen, weil die Dinger auf Zigarettenrauch eben nicht reagieren - und wer steckt schon das eigene Haus an (nur um einen Rauchmelder zu testen)?

Eben gelesen: In einigen Bundesländern ist das Anbringen von Rauchmeldern in Wohnungen von der Obrigkeit verordnet. Wir erleben hier einen typischen Fall von Föderalismus – übrigens etwas, worauf man bis vor kurzem in Deutschland noch sehr stolz war. (Inzwischen ist das irgendwie aus der Mode gekommen… warum eigentlich?) Jedenfalls: In Niedersachen sind Rauchmelder keine Pflicht – dabei ist Rauchen in diesem Kontext nun wirklich unmittelbar tödlich.

Die Bauordnungen der Länder sehen in der Regel die Montage von jeweils mindestens einem Gerät in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren, über die Rettungswege führen, vor. Denn tödlich ist bei einem Brand nicht das Feuer, sondern der Rauch. Schon wenige Atemzüge können tödlich sein.

STIFTUNG WARENTEST – Rauchmelder – Meldungen – Haus + Garten – Themen – test – FINANZtest

Wenn man sich mit dem Thema ‘Risikominimierung bei Wohnungsbrand’ etwas genauer beschäftigen möchte: Die Website der Berliner Feuerwehr hat einige gute Tipps auf Lager. Das meiste davon gehört zum gesunden Menschenverstand:

  • Reparaturen an Gas- und Elektrogeräten nur vom Fachbetrieb durchführen lassen
  • Eingeschaltete Elektrogeräte, wie Bügeleisen, Herd, Kaffeemaschine usw. nie unbeaufsichtigt lassen
  • Nur VDE- und GS-Zeichen geprüfte Elektrogeräte verwenden
  • Bei Ofenheizung erst die Feuerungstür schließen, wenn der Brennstoff durchgebrannt ist
  • Keine brennbaren Stoffe in unmittelbarer Nähe des Ofens lagern
  • Asche im Metallbehälter aufbewahren und erst nach Abkühlung entsorgen
  • Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten, Altpapier und feuergefährlichen Abfällen in der Wohnung unbedingt vermeiden
  • Niemals offenes Feuer (z.B. Kerzen) unbeaufsichtigt lassen
  • Brennendes Fett (z.B. in Pfanne oder Fondue-Gerät) nie mit Wasser löschen, sondern mit Wolldecke oder passenden Deckel ersticken
  • Zigaretten- oder Zigarrenreste nur in nichtbrennbaren Behältnissen ablegen
  • Niemals im Bett rauchen

Berliner Feuerwehr: Wohnung

Außerdem, so rät die Feuerwehr, sollen Keller und Dachboden immer aufgeräumt sein (meine Güte! Was hier alles rumsteht – was war eigentlich auf dem Dachboden des Ratskellers?) und am besten auch noch verschlossen.

Merke: Ein guter Schutz gegen Einbruch ist auch ein guter Schutz gegen Brandstiftung.

Berliner Feuerwehr: Brandschutz Inhalt

So ist es denn auch dem Ratskellerbrand geschuldet, dass wir heute Nachmittag den Dachboden im ‘Vorderhaus’ entrümpelt haben. Übermorgen ist an unserer Straße der jährliche Sperrmüll (jaja, liebe Nicht-Dannenberger: Sperrmüll wird es bei uns einmal im Jahr abgeholt. Ohne Extrakosten, wenn es nicht mehr als 3 m³ sind), und auch wenn es die Mieter im Vorderhaus ärgert: Der Dachboden wird ab heute abgeschlossen – man will sich ja nix vorwerfen lassen.

Ach ja, für alle Dannenberger und Nicht-Blogg-Benutzer die noch nicht müde geworden sind, weiter zu lesen: Ich freue mich über Ihre(Eure) Geschichten und Ansichten. Einfach einen Kommentar hinterlassen.

Wo sind die Interessenten?

Die neuen Medien sind ja eine wunderbare Sache. Leider bleiben die ländlichen Gebiete außen vor.

Das ärgert nicht nur die Kids, die mit schlechten Pings und miesen Bandbreiten bei Counterstrike nie richtig mitspielen dürfen. Es ärgert auch die Eltern, die durchaus wissen, dass es mehr gibt, als nur ISDN.

Während im Landkreis Lüchow-Dannenberg die Städte durchaus am DSL-Netz hängen, bleiben viele Dörfer abgeschnitten. Die Elbe-Jeetzel-Zeitung und die Wirtschaftsförderung haben nun eine Initiative gestartet. Das Ziel: eine bessere digitale Infrastruktur im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

»Die möglichst schnelle und komfortable Übermittlung von Daten und Informationen ist für Unternehmen heutzutage ein entscheidender Wettbewerbsfaktor», stellt Martina Grud, die Leiterin der »WirtschaftsFörderung Lüchow-Dannenberg» fest. In Zusammenarbeit mit der EJZ hat die »WirtschaftsFörderung» eine Initiative gestartet, um die Bedingungen für die Nutzung dieser Technologien im Kreis zu verbessern.

EJZ Elbe Jeetzel Zeitung Lüchow

Der Verdacht bleibt unausgesprochen: Wo zu wenige Interessenten sind, ist das Investitionsinteresse der Telekom gering. Aber sind es denn wirklich zu wenige Kunden? Das herauszufinden ist eine lohnenswerte Aufgabe und darum machen sich die beiden Partner EJZ und Wirtschaftsförderung auf die Suche nach dem Lüchow-Dannenberger Internet-Nutzer.

In der heutigen Ausgabe ist ein Fragebogen auf der Seite Vier.

Darin wird nachgefragt: Nutzen die Leser der EJZ das Internet, wofür und zu welchem Preis? Auch zum Provider können Angaben gemacht werden. Das ganze bleibt anonym und ist eine seriöse Sache. Ich habe meine Samstagszeitung schon zerschnitten, den Zettel ausgefüllt, eingetütet und in den Briefkasten gesteckt.

Leider ist der Fragebogen bislang noch nicht auf den Seiten der Wirtschaftsförderung veröffentlicht, sonst würde ich von hier aus drauf verweisen. Auch auf den Online-Seiten der EJZ könnte man so etwas doch eigentlich anbieten aber was soll es.

 

Ach nur so nebenbei: Warum setzt der Autor der EJZ eigentlich in diesen komsichen ‘Tüddelchen’ vor und nach der Wirtschaftsförderung?

UPDATE: Der Fragebogen ist inzwischen als Download online
.

Castor 2006 – Fazit

Klappe zu, Affe tot.
Kurz nach 6 Uhr erreichen die Tieflader am Montagmorgen das Zwischenlager. Nach dem inzwischen 10.TagX stehen nun 80 Castoren in Gorleben. Dieser TagX war der erste, den ich aus der Perspektive als ‘Dannenberger’ live miterlebt habe. ‘Wendländer’ war ich ja schon immer, aber Dannenberg ist dichter am Geschehen als Lüchow und noch dichter als Wolfsburg.

Der Termin.
TagX an einem Wochenende ist neu. Es ist nicht jedermanns Sache, sich einen Tag frei zu nehmen, um im Wendland Position gegen den Atomstrom zu beziehen. Sich aber an einem Sonntag ins Auto zu setzen und nach Gorleben zu fahren, ist vergleichsweise leicht.
Vielleicht ist es so zu erklären, daß die Auftaktveranstaltung am Sonnabend in Gorleben so gut besucht war. Auch wenn ich nicht weiß ob es nun 3.000 oder 6.000 Demonstanten waren – ich fand es beeindruckend, daß die Menschen auch nach dem 10.Mal Stellung bezogen haben. Eine Toncollage von diesem Tag habe ich übrigens beim blogspiel ins Rennen geschickt. Zu spät ich weiß, aber ich hatte echt zu tun.

Den Straßentransport auf einen Montag in die frühen Morgenstunden zu verlegen, ist hingegen ein geschicktes Manöver der verantwortlichen Taktiker. Der wendländische November ist ausgesprochen ungemütlich, die Nächte sind nass und kalt, und nur die ganz Engagierten nehmen diese Hürde. Der große Rest bleibt außen vor – also im Bett.

Die Internationalität.
Bisher hatte ich keinen Kontakt zu ‘ausländischen’ TagX-lern. Wir hatten am Sonnabend einen total netten Tramper aus dem niederländischen Groningen mitgenommen. ‘Die Wendländer sind spitze’, meint der und wir unterhielten uns im wahrsten Sinne über Gott und die Welt. Schönen Gruß von hier aus.

Delegationen aus Frankreich vor Ort, Grußworte aus Russland im Rahmen der Auftaktveranstaltung wurde mir wieder bewusst: Atomkraftgegner gibt es auf der ganzen Welt. Der Widerstand gegen Atomstrom vernetzt sich scheinbar auch über die Ländergrenzen hinaus. Globalisierung made by Wendland.

Eine Aktion ist mir aufgefallen:
Die Stromwechselaktionen.
Wenn Kundenströme wandern, schmerzt das alle Zahlenjongleure in allen großen Unternehmen besonders. Ob das Verteilen von Handzetteln ausreicht, weiß ich natürlich nicht – aber die Idee ist charmant.

Und konsequent: Wer seinen Strom sauber haben will, der muss eben einen Euro mehr bezahlen. Oder er macht ihn sich gleich ganz selbst. Zum Beispiel aus Biogas. Natürlich nur, wenn er nicht im Grabower Neubaugebiet wohnt.

Mein Fazit?
Der Widerstand ist zwar schon 30 Jahre alt aber ich glaube man kann ihm trotzdem noch Vertrauen schenken. Die Leute hier sind ihren Teil stur. Wer hier öfter ist weiß das. Wer hier wohnt, wird früher oder später selbst so. Das liegt vielleicht an der Luft, an unseren Kühen oder an der Nähe zur Elbe.
Der Widerstand hat sich meiner Ansicht nach um unsere ganze Region verdient gemacht und er wird auch weiterhin für eine frische Briese im sonst so gottvergessenen Zonenrand sorgen. Auch, wenn der nächste Castortransport schon heute geplant wird.

Ordnungsamt ist voll gemein!

Tradtionsbewusst sind die Wendländer. Auch der Nachwuchs. Wie in jedem Jahr wollen die Schüler aus Lüchow gegen den anstehenden Atom-Transport nach Gorleben demonstrieren. Diesmal am 10.November. Anders als bisher hat das Ordnungsamt des Landkreises aber nicht so mitgespielt.

Gut, die Demo ist erlaubt worden. Aber der Zeitpunkt wurde auf das Ende der vierten Stunde gelegt. Damit bringt Vater Staat (denn nichts anderes sind die Vertreter des Ordnungsamtes) die Schüler natürlich in Verlegenheit. Weiterlesen