Dicht dabei, vorbei
Um 15.00 passierte der Zug unseren Standort. Nun ist uns der Rueckweg nach Dannenberg versperrt.
Der Tag ist gelaufen.
Um 15.00 passierte der Zug unseren Standort. Nun ist uns der Rueckweg nach Dannenberg versperrt.
Der Tag ist gelaufen.
Er rollt, wenn auch langsam. Nach den Durchsagen des Lautsprecherwagens haben sich 500. Demonstranten an der Harlinger Bahnunterfuehrung eingefunden.
Hier in Harlingen kreist ein Hubschrauber. Die Mannschaftswagen sind abgerueckt. Angeblich weil die Polizei Angst bekommen hat. Informationen sind schwer zu bekommen. Ein Kamerteam vom Fernsehen friert wie wir in unmittelbarer Naehe der Gleise.
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Was auf dem Hinweg so hoffnungsvoll begann, artete auf dem Rueckweg zu einer endlosen Warterei im Auto aus.
Angeblich wurde eine Zugmaschine von der Polizei auf der Strecke Gorleben-Dannenberg einkassiert. Das fuehrte zu einem Stau der allerdings von ffn ignoriert wurde.
Wir sind nach einer halben Stunde umgekehrt und ueber Meetschow und Luechow nach Dannenberg gekommen. Polizeikolonnen auf dem Rueckweg ohne Ende. mmerhin sitzen wir inzwischen beim Inder am Marktplatz und bekommen was zu essen.
Kiddies aus Berlin verwechseln den Castor-Protest mit dem 1..Mai. Kurz nach Ende der Kundgebung vor dem Zwischenlagertor brennt es ploetzlich.
Besonders konfliktfreudige Demonstranten schaffen Stroh und Holz auf die Strasse und legen Feuer. Die Polizei ist erst ruhig und sammelt Kraefte auf beiden Seiten der Strasse.
Es kommt zu Rangeleien zwischen den Demonstranten. Ich verbrenne mir meinen Pulli dank des Funkenfluges und komme an tolle O-Toene.
Jetzt sind wir auf dem Rueckweg und kuerzen uber den Sportplatz ab. Das warme Auto wartet.
Toll. Die Grosskundgebung in Gorleben ist von Dannenberg aus ueber eine Bundesstrasse zu erreichen. Wichtig: eine!
Und die ist dicht. die baeuerliche Notgemeinschaft ist mit den Schleppern auf dem Weg zur Kundegebung stecken geblieben.
Die Folge: eine unfreiwillige Trecker-Blockade. Wir haben an einer Brache, zwei Kilometer vor Gorleben, geparkt und sind jetzt fast da.
Ob wir die Kundgebung noch mitbekommen?
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Geschichte koscher ist. Wie eben in den Spätnachrichten auf Vox gesehen, hat sich heute direkt vor unserer Gartenpforte ein Krimi ereignet:
Berliner Polizeiwagen postieren sich um einen Gullideckel auf der B216 kurz vor der Einmündung zur B191 am Rande der Dannenberger Stadtgrenze.
Wir sehen zu überlegen noch was da wohl passiert sein könnte. Nach einer Stunde ist uns der Polizeiauflauf der sich da entwickelt aber relativ wurscht. Fotos gemacht und gut.
Dann die Spätnachrichten und die Erkenntnis, dass da vor unserer Haustür ein ‘Terror’-Anschlag stattfinden sollte. Die Metallkonstruktion ist unter einem Gullideckel verborgen und soll per Funk auslösen, um – so die Vermutung – die darüberfahrenden Reifen zu zerstören.
Gorleben soll leben - Der Widerstand im Zeichen der Atomsonne Jetzt abspielen | Play in Popup | Download (326)Wer hätte es gedacht. Inzwischen der dritte Teil mit Interviews zum Thema “Castor” hier aus dem Wendland.
Den zweiten Teil habe ich im Blogspiel vom dRadio platziert, der erste ist wegen “Überlänge” nicht akzepiert worden… Für alle, die über das Podspiel auf diese Seite gekommen sind: Hier ist der erste Teil noch einmal nachzuhören.
Ich würde mich natürlich freuen, wenn mein Beitrag auch die eine oder andere Stimme von Euch beim Voting bekommen könnte.
In diesem dritten Teil kommt Stefan zu Wort. Er kommt eigentlich aus Düsseldorf und ist über den Umweg Hamburg ins Wendland gekommen. Stefan ist einer von den damals “jungen Leuten”, die ende der 70er Jahre im Zuge der Atomdiskussion ins Wendland gekommen sind.
Er erzählt in diesem Interview, warum es ihn in Wendland gezogen hat, warum Gorleben seiner Meinung nach mehr ist, als nur ein Symbol und welche Rolle das Wendland in der gesamten “Ausstiegsdiskussion” eigentlich spielt.
Bis zum 11.November, dem vermeintlichen Tag X des Jahres 2006, versuche ich hier regelmäßig neue “alte” Interviews zu veröffentlichen. Sie alle sind in Folge eines Features entstanden, das ich für den ORF 1998 erstellt habe.
Also: Viel Spaß beim Hören.
PS. Ich habe dieses Mal auf ID-Tags beim MP3 verzichtet. Ich fürchte nämlich, dass die für die Probleme mit meinem Feed verantwortlich sind.
In was für einer Welt leben wir? Diese Frage stellt sich jeder früher einmal.
Diese Frage lässt sich vielleicht besser beantworten wenn man sich daran erinnert, wie die Welt früher einmal war.
Ein Professor von mir nannte die gehörte Erinnerung eines Fremden in einer Vorlesung in Krems “oral history”. Prof. Jagschitz akzeptierte, dass Geschichtsempfinden immer subjektiv gefärbt ist, ja sein muss.
So auch dieses Empfinden eines Zeitzeugen, der das Wendland beschreibt wie er es als junger Mensch erlebte. Damals in den 70ern, als die Atomanlagen in Gorleben nur für wenige eingeweihte Kreise ein Thema war.
Erstaunlich finde ich die Zeitlosigkeit seiner Aussage.
Viel Spaß beim Hören.
Gorleben soll leben - Der Widerstand im Zeichen der Atomsonne Jetzt abspielen | Play in Popup | Download (1142)
Nachdem ich meine neue Festplatte eingerichtet habe bin ich heute zufällig über ein altes MP3 gestolpert. Keine Musik aber nichts desto weniger spannend, weil inzwischen zeitgeschichtlich: ein Interview, dass ich für ein ORF-Feature gemacht habe.
Ich stelle es mal online. Nur für Interessierte am Thema Castor und Nostalgie… ![]()
Tradtionsbewusst sind die Wendländer. Auch der Nachwuchs. Wie in jedem Jahr wollen die Schüler aus Lüchow gegen den anstehenden Atom-Transport nach Gorleben demonstrieren. Diesmal am 10.November. Anders als bisher hat das Ordnungsamt des Landkreises aber nicht so mitgespielt.
Gut, die Demo ist erlaubt worden. Aber der Zeitpunkt wurde auf das Ende der vierten Stunde gelegt. Damit bringt Vater Staat (denn nichts anderes sind die Vertreter des Ordnungsamtes) die Schüler natürlich in Verlegenheit. (weiterlesen …)
39punkt zeichen.blog » Blog Archive » Stand-by me
Und während bei uns alle auf die warmen Brennstäbe warten, habe ich heute DEN Cartoon zum Thema gefunden.
Zwischenzeitlich nimmt die Polizeiquote in Lüchow-Dannenberg merklich zu. Und das obwohl das ausdrücklich seitens der Atomkraftgegner verboten wurde:
Unterstützt von über 1600 Unterzeichnern hat heute (21.10.06) die „Freie Republik Wendland“ durch den Abdruck einer fünfseitigen „Bekanntmachung“ in der lokalen Elbe-Jeetzel-Zeitung (EJZ) eine „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ mit Betretungsverbot der „Besatzungsmacht“ für das Wendland erteilt.
Die kleine Bahnstrecke Strecke Dannenberg-Hitzacker gehört demnächst wieder zu den bestbewachten des ganzen Kontinients. Nicht ohne Grund. Schon am Sonntag waren die ersten “Sitzblockaden” auf den Bahngleisen bei Tollendorf gemeldet worden.
Etwas früh vielleicht? Nun ja, früh übt sich halt.
Ich meinte heute, den ersten Polizei-Hubschauber zu hören der bei uns über das Dach flog. War aber ein klassischer “Fehlalarm”. Es war “nur” ein Christoph auf dem Weg ins örtlichen Krankenhaus.
Aber die Uhr tickt. Am 11. November erlebe ich den ersten Castor ganz hautnah vor Ort, ohne zurück nach Lüchow oder Wolfsburg fahren zu müssen. Aktuelle Mitteilungen zum Thema findet man im Castor-Blog oder im örtlichen Polizeifunk.
Mich würde übrigens interessieren, ob nicht der eine oder andere der zigtausend Bepos aus ganz Norddeutschland auch ein Blog betreibt. Es würde mich wirklich einmal interessieren, welche Gedanken einem Ordnungshüter beim Einsatz so durch den Kopf gehen… rein privat natürlich.
“Was soll das bringen, wer sieht sich das überhaupt an?”, dachte ich mir vor einem Jahr, als ich das erste Mal YouTube benutzt hatte. Eine Frage, die – wie ich im Bekanntenkreis bemerke – sich fast alle “Neunutzer” stellen.
Folgende Antwort habe ich für mich gefunden: YouTube betreibt wertfreie, echte “Massenkommunikation“.
Behauptet wird, dass YouTube 100 Millionen Videos/Tag verbreitet. Im Juli 2006 waren es 2,5 Milliarden Videos weltweit. Derzeit (Herbst 2006) kommen jeden Tag kommen 65.000 neue Videos dazu.
Keine Sendeanstalt, keine Redaktion – in Netz gestellt wird alles. Fernsehmitschnitte, Privatvideos und Politik. Gefunden – und das ist meiner Ansicht nach der Witz – wird nur das “Video”, welches wenigstens einige Leute interessiert.
Großes Interesse bedeutet gleichzeitig eine rasend schnelle Verbreitung. In Punkto Aktualität hält YouTube mit den großen Sendeanstalten wie CNN locker mit. Wohlgemerkt: Der Laden hat etwas mehr als 60 Mitarbeiter!
Der Bildungsbürger wundert sich, was die Leute alles interessiert und nicht wenige rümpfen die Nase. Dabei steht es ihnen frei, sich ebenfalls mit ihren Themen bei YouTube zu präsentieren.
Mich interessiert zur Zeit – wir warten hier im Wendland mal wieder auf den Castor – welche Wellen der Castortransport in den “neuen” Medien wie YouTube spielen wird.
In den USA, wo YouTube schon länger ein Massenphänomen ist, werden Videos von Protestmärschen, Sitins etc schon längst im Web verbreitet und diskutiert.
Denn das ist – anders als beim Fernsehen – problemlos möglich und Teil des Systems. Jeder “Nutzer” kann seinen Senf zu jedem Video abgeben. Auch der Bereitschafts-Polizist aus Oldenburg, der naturgegebenermaßen einen ganz anderen Blick auf das Geschehen hat.
Das bedeutet aber auch: Protestkultur stellt sich in YouTube immer einem kritischen Feedback. Dann kommen auch die Befürworter zu Wort und stellen sich der Debatte. Wenn gewollt auch mit einem eigenen “Gegenvideo”, dem sogenannten Videokommentar.Wenig wird im Wendland so intensiv diskutiert, wie der regelmäßige Atomtransport.
Ob sich diese Diskussion bereits jetzt im Web ausbreiten wird, hängt vor allem davon ab wie weit die eher konservativen “Befürworter” sich dieses Kanals bedienen. Sicher ist, dass die Prostestler YouTube und Co früher oder später für sich entdecken werden. Man darf gespannt sein.
Bisher gibt es in YouTube zum Wendland vor allem eine Verbindung: Die Band Madsen. Die kommt aus dem Wendland und ist bereits breit in YouTube vertreten. Und ganz nebenbei: Sie ist richtig gut.
Was ist eigentlich mit DEM Topthema aus dem Wendland – dem inzwischen traditionellen Castortransport? Wer bei Technorati das Stichwort sucht, findet derzeit 654 deutschsprachige Einträge, von denen allerdings eine ganze Menge als Streuverlust abgebucht werden dürfen. Zu oft war der Castor als Teil der Mythen mit dabei, selbst als Nickname habe ich Castor gefunden.
Tatsache ist, dass Weblogs zum Thema sehr rar sind. Das mag verschiedene Ursachen haben. Sicherlich ist dem örtlichen Widerstand eine gewisse grundkonservative Haltung nicht abzusprechen – Flugblätter sind als haptisches Erleben doch einfach etwas Schöneres als ein schnödes Feed.